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  19.02.2010 
Die SCHWENK Betonseminare 2010
Aktuelle Entwicklungen, praktische Anwendungen mit dem Blick auf morgen
 

Die SCHWENK Betonseminare 2010
Aktuelle Entwicklungen, praktische Anwendungen mit dem Blick auf morgen

Ulm – Aktuelle Informationen aus der Branche für die Branche und die Gelegenheit zum Austausch – diese Mischung macht seit nunmehr 16 Jahren den Erfolg der SCHWENK Betonseminare aus. Das Interesse an den drei Fachterminen in Neu-Ulm, Schweinfurt und Leipzig war auch dieses Jahr bei der 17. Auflage der Seminarreihe ungebrochen. Mehr als 800 Teilnehmer informierten sich über neueste Entwicklungen in der Zement- und Betontechnologie sowie deren praktische Anwendung.

In der ersten Begrüßung des neuen Jahrzehnts resümierte Dr. rer. nat. Hendrik Möller, Mitglied der Geschäftsleitung der SCHWENK Zement KG, das letzte Jahr des vergangenen Jahrzehnts. Dieses sei geprägt durch die größte Investitionssumme der Firmengeschichte, so Möller. Allem voran stehe das neue Zementwerk in Namibia. Das Werk ist das einzige in der südafrikanischen Republik und mit einer Jahresproduktion von 700.000 Tonnen einer der wichtigsten Produzenten auf dem Kontinent. Für Dr. Möller stellt es auch einen „wichtigen Schritt in die Internationalisierung der Unternehmensgruppe“ dar, der das gesamte Unternehmen aber vor allem die Geschäftsführung in Anspruch nehme. Denn der neue Standort sei nicht nur technisch eine Herausforderung, sondern auch menschlich.

Deswegen versuche man für die Menschen vor Ort eine gute Ausbildung zu schaffen.
Auch der heimische Markt sei von großen Aufgaben geprägt gewesen. Genannt sei hier der zügige Wiederaufbau des Werkes in Karlstadt, das bei einem Brand zu Beginn des letzten Jahres schweren Schaden nahm und die Inbetriebnahme des neuen Dämmstoffwerks in Bernburg. Die Investitionssumme von über 100 Millionen Euro lässt erahnen, dass es sich bei dem neuen Fertigungsstandort um einen der modernsten in Europa handelt. Als „deutliches Signal“ der Verbundenheit zur Region und dem Standort Deutschland wertete Möller die Modernisierung des Ofens und den Einbau der neuesten Filteranlagen im Werk Allmendingen. Die Investition von über 40 Millionen Euro und das aufwendige Genehmigungsverfahren hätten die Baustoffgruppe und vor allem die Familie Schleicher bewusst auf sich genommen, da man trotz oder gerade aufgrund der Globalisierung an den ältesten Standort der SCHWENK-Gruppe glaube.

An dem Weg, den SCHWENK seit Jahren eingeschlagen hat, qualitativ hochwertige Zemente herzustellen, die im Einklang mit Mensch und Natur produziert werden, halte man auch in Zukunft fest. Dies bestätige auch die jüngste Firmengründung der Celitement GmbH. Das gemeinschaftliche Projekt von SCHWENK und der Karlsruher Forschungseinrichtung KIT widmet sich der Entwicklung und Produktion neuartiger Zemente. Diese können bei einer Temperatur von weniger als 300 Grad Celsius hergestellt werden. Somit fällt nur die Hälfte an CO2 und anderen Abgasemissionen an. Die Reduzierung der CO2-Emissionen ist eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre.

Wichtiger Schritt in die Zukunft
Der Anteil an den circa 40 Millionen produzierten Kubikmeter Transportbeton in Deutschland, der für Brückenkappen verwendet wird, liegt sicher im Promillebereich. Dass es dennoch wenige Bauteile gibt, bei denen es so viele Regelungen und Probleme gibt, wusste Dipl.-Ing. Wolfgang Hemrich zu berichten. In seinem Vortrag „Herstellung von Brückenkappen mit CEM II/B-M (V-LL) 32,5 R-AZ – Grundsätze und Verarbeitungshinweise“ wies Hemrich darauf hin, dass in dem bedeutendsten Regelwerk für diesen Bereich, der zusätzlichen technischen Vertragsbedingungen und Richtlinien für Ingenieurbauwerke (ZTVING), Stand 2006, auch der Einsatz der Zementart geregelt ist. So bedürfe es bei der Verwendung von umwelt- und ressourcenschonenden Portlandkompositzementen mit mehreren Hauptbestandteilen der Zustimmung des Auftraggebers. Dass es sich aber durchaus lohnt, diese einzuholen, stellte Hemrich ansehnlich an einem Beispiel aus der Praxis dar. Bei der Sanierung einer Brücke über die Bahnstrecke auf der B311 bei Ehingen kam der Portlandkompositzement CEM II/B-M (V-LL) 32,5 R-AZ für die Brückenkappen erfolgreich zum Einsatz. Als Fazit konnte Wolfgang Hemrich feststellen, dass Portlandkompositzemente mit mehreren Hauptbestandteilen bestens für diesen Bereich geeignet seien. „Man kann mit diesen Zementen Brückenkappen mit großer Langlebigkeit herstellen“, fasste der Diplomingenieur zusammen. Dies bewiesen die gemessenen Festbeton- und Dauerhaftigkeitsuntersuchungen.

Neuauflage der DIN 18218
Im Fokus des Vortrages von Dipl.-Ing. Heiko Zimmermann stand der „Frischbetondruck im Wandel – normative Vorgaben und Praxiserfahrungen mit leicht verdichtbaren Betonen“. Die Anwendung weicher bis sehr weicher Betonkonsistenzen biete Planern und Verarbeitern neue Möglichkeiten, um die Herstellung schlanker und dicht bewehrter Betonbauteile und andere schwierige Bauaufgaben zu bewältigen. Allerdings seien für Betone der Konsistenzklassen F5 und F6 sowie für selbstverdichtenden Beton bislang wenig Erkenntnisse und keine Regelungen zum Frischbetondruck auf lotrechte Schalungen vorhanden. „Gerade die Beachtung des Frischbetondrucks als eine der Basisgrößen für die Bemessung von Schalungskonstruktionen ist sehr wichtig“, so der Referent. Daher sei es dringend notwendig, die alte DIN 18218 „Frischbetondruck auf lotrechte Schalungen“ zu überarbeiten. Heiko Zimmermann führte anschließend Beispiele und wichtige Aspekte auf, die in der Neufassung zum Tragen kommen. Vor allem erläuterte er die Vorteile der genaueren Bestimmung des Drucks und der damit verbundenen exakten Bestimmung der Schalungskonstruktion durch die Neufassung an mehreren Praxisbeispielen. In den vorgestellten Bauvorhaben ließen sich Wandhöhen von bis zu 7,9 Meter problemlos realisieren.

Aus der täglichen Praxis referierte Dipl.-Ing. Heinz Haist über „1.900 m³ Beton aus einem Guss – monolithische Bodenplatte für ein Hochregallager“. Als Praxisbeispiel diente Haist dabei der Neubau einer Hochregalanlage mit einer Länge von 100 Metern bei einer Breite von 23 Metern und 30 Metern Höhe. Die Bodenplatte für das Lager sollte infolge der Dimensionen des Baus eine Dicke von 80 Zentimetern erhalten und aus einem Guss erstellt werden. Aufgrund der Dimensionen also ein „massiges Bauteil“, das daher durch die Richtlinie „Massige Bauteile aus Beton“, Ausgabe März 2005 des Deutschen Ausschuss für Stahlbeton (DAfStb) erfasst wird. Anhand des vorliegenden Beispiels konnte Haist deutlich belegen, dass „die Absprache zwischen allen Beteiligten“ einen wichtigen Stellenwert für das Gelingen eines solchen Vorhabens hat. Mit den SCHWENK Betontechnologen hatte man sich zusätzlich Erfahrung mit ins Boot geholt. SCHWENK konnte bereits viel Erfahrung bei der Herstellung von massigen Bauteilen, z. B. bei Fundamenten für Windkraftanlagen, sammeln. So sei den Technologen auch sofort klar gewesen, dass hier grundsätzlich ein Qualitätssicherungsplan unbedingt notwendig ist.
Beachte man die grundlegenden Dinge, würde nach Ansicht Haists dem Erfolg der Baumaßnahme nichts im Wege stehen und man könne sich auf die angenehmen Seiten des Bauteils konzentrieren, denn schließlich „eignen sich massige Bauteile hervorragend zur Betonkernaktivierung“.

Hochleistungszement für den Brandschutz
„Beton und Feuer – eine explosive Mischung“ lautete der Titel des Vortrages von Prof. Dr.-Ing. Frank Dehn von der Gesellschaft für Materialforschung und Prüfungsanstalt für das Bauwesen (MFPA) Leipzig mbH. „Sie werden es nicht glauben, aber Beton kann schmelzen“. Mit dieser Aussage provozierte Frank Dehn gleich zu Beginn seiner Ausführungen erschrockene Gesichter im Podium. Aber letzten Endes wurde dadurch schnell klar, wo das Forschungsgebiet des Professors liegt. Nach der Brandkatastrophe im Mont Blanc-Tunnel 1999 hatte man begonnen, das Brandverhalten von Beton – speziell in Tunnelkonstruktionen – zu erforschen. Ein einziger LKW setzt laut den Untersuchungen bei einem Brand eine Energie von über 100 Megawatt frei. Bei einem Tunnelbrand herrschen so leicht 1.200 °C innerhalb weniger Minuten, denen herkömmliche Betone nicht standhalten könnten. Seit dieser Erkenntnis sei man beim MFPA bemüht entsprechend widerstandsfähige Hochleistungsbetone herzustellen. Mit Erfolg – die Resultate der Forschungsarbeit sind bereits bei Tunnelprojekten in Malmö, Amsterdam, Antwerpen, Madrid und Leipzig im Einsatz.

Dipl.-Met. Sven Plöger, bekannt als Klimaexperte und TVModerator konnte zum Abschluss in Neu-Ulm sein Publikum mit dem Vortrag „Gute Aussichten für morgen?“ für sich gewinnen. Dies gelang ebenfalls im Leipziger Seminar Manfred Müller, seines Zeichens Flugkapitän und Leiter der Flugsicherheit der Lufthansa, mit seiner Antwort auf die Frage „Der Mensch – ein Sicherheitsrisiko?“. Einen Ausblick in die Zukunft wagte in Schweinfurt Andreas Steinle. Der Trend- und Zukunftsforscher beschäftigte sich mit der interessanten Aufgabe über die „Lebensstile 2020 – der soziale Wandel und die neuen Zielgruppen“ zu referieren.

Die SCHWENK Betonseminare waren auch in diesem Jahr wieder ein wichtiger Informationslieferant für die Entwicklung in der Betontechnologie. Moderator und Leiter der SCHWENK Bauberatung Werner Rothenbacher zeigte sich zufrieden: „Der enge und gegenseitige Wissensaustausch von Entwicklung, Herstellung und Anwendung ist der Grundstein, um auch in schwierigen Zeiten Lösungen zu finden. Das haben auch die Gespräche und Diskussionen während der diesjährigen Seminare gezeigt.“

Übrigens: Ausgewählte Vorträge der diesjährigen Betonseminare stehen unter Veranstaltungen und Vorträge als PDF zum Download zur Verfügung.

4 Bilder

Bild1:
Über neueste Entwicklungen in der Betontechnologie konnten sich über 800 Besucher in Neu-Ulm, Schweinfurt und Leipzig informieren.

Bild2:
„Die größte Investitionssumme der Firmengeschichte“ – Dr. Hendrik Möller resümierte das vergangene Jahr.

Bild3:
Moderator und Leiter der SCHWENK Bauberatung Werner Rothenbacher zeigte sich mit den diesjährigen Veranstaltungen zufrieden.

Bild4:
Die Referenten des Schweinfurter Seminars auf einen Blick (v. l. n. r.): Andreas Steinle, Dipl.-Ing. Heinz Haist, Dr. rer. nat. Hendrik Möller, Moderator Dipl.-Ing. Werner Rothenbacher, Dipl.-Ing. Heiko Zimmermann und Dipl.-Ing.Wolfgang Hemrich. Nicht im Bild: Prof. Dr.-Ing. Frank Dehn.